Zeichnung als Prozess – Aktuelle Positionen der Grafik -  Book design and production - Museum Folkwang, Essen / Kehrer Verlag - 2009
ISBN-13: 978-3868280258 - Größe und/oder Gewicht: 30 x 21,4 x 2 cm
Zeignung as Prozess - Erscheinungsjahr: 2008 / Sprachen: deutsch, englisch / 150 Seiten / Distribution: Kehrer Verlag
Der Katalogpreis beträgt 36 euro (zzgl. Versand) / ISBN: 978-3-86828-025-8 / www.kehrerverlag.com/
Das Medium der Zeichnung erlebt zur Zeit national und international eine neue Blüte. Die Vielfalt der Positionen ist enorm, und doch gibt es etwas, das das Schaffen vieler Künstlerinnen und Künstler verbindet: Die Betonung des Prozesshaften. Ausgehend von der Konzeptkunst der 1960er Jahre zielt diese künstlerische Haltung nicht allein auf das vollendete Werk ab, sondern bezieht auch dessen Entstehungsprozess als Bedeutungsträger ein.
Publikation und Ausstellung führen erstmals die wichtigsten Vertreter dieser künstlerischen Haltung zusammen. Im unmittelbaren Vergleich werden die Unterschiede, vor allem aber auch die Gemeinsamkeiten der jeweiligen Positionen deutlich. Die Bandbreite reicht von Zeichnungen, die das Ergebnis einer beinahe choreographischen Körperbewegung sind, über solche, die reale oder fiktive außerkünstlerische Prozesse in Kunst verwandeln, bis hin zu Zeichnungsserien, bei denen sich das Prozesshafte in der Ableitung einer Zeichnung aus ihrer Vorgängerin manifestiert.
Präsentiert werden 10 zeichnerische Positionen aus Deutschland und den Vereinigten Staaten: Linda Karshan (* 1947), Jill Baroff (*1954), Roni Horn (*1955), Daniel Ben-Hur (*1958), Malte Spohr (*1958), Karoline Bröckel (*1964), Frank Gerritz (*1964), Katharina Hinsberg (*1967), Sebastian Rug (*1974) und Jorinde Voigt (*1977).
Die Betonung des Prozesshaften indes ist nicht neu. Denn schon in der auch in der Ausstellung wiederholt herbeigerufenen Konzeptkunst der 1960er Jahre ging es weniger um das Resultat an sich als um die Bewusstmachung des Werkes. Dessen Ausführung ist von nur untergeordneter Bedeutung. 
Es kann, muss aber nicht entstehen und wenn es entsteht, dann muss dies nicht durch den Künstler selbst geschehen. Wichtiger ist das zugrunde liegende Konzept und die Idee dazu, die somit als gleichwertig betrachtet werden können. An die Stelle des Kunstwerks treten in diesem Sinne Skizzen, Texte etc. Verfolgt wird der Gedanke, wie es zum Ergebnis kommt.
Doch im Unterschied zur Konzeptkunst der 1960er Jahre erschließt sich das Prozesshafte, also gerade dieser zum Teil recht umständliche Vorgang des zeichnerischen Schaffens, dem Betrachter in der Ausstellung nicht. Er sieht »nur« das Ergebnis. Das, worauf es eigentlich ankommen soll, muss er sich mithilfe eines Informationsblattes oder des Kataloges erschließen. Gelegentlich lässt auch einmal ein Bildtitel vage Vermutungen zu. Ein Beispiel sei genannt: Die Künstlerin Linda Karshan unterwirft sich in ihrem Atelier einem streng rhythmischen Zeichenritual, welches von lautem Zählen und Taktschlagen und Drehen des Blattes begleitet wird. Die ausgestellte Serie »Forms of Time« spiegelt jedoch nichts von diesem komplizierten Prozess wider. Im Gegenteil: Stellt man sich den Zeichenprozess der Karshan abstrakt vor, ohne die Bilder gesehen zu haben, dann ist man vom tatsächlichen Ergebnis des Zeichenprozesses überrascht. Hierin liegt sicher ein besonderer Reiz bei der Betrachtung, den aber nur auskosten kann, wer sich vorher oder währenddessen belesen hat.